23.12.2012

aber dann ...

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foto: marianne rieter




aber dann war doch nichts weiter geschehen
als dieses herzaufgehen, sperrangelweit -


elisabeth binder
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14.12.2012

manöver.

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ich übe den glasblick an dem nichts hängen bleibt
- eveline hasler


immer fällt mir die zeit aus den tagen
ich vertue mich in ablenkungen nicht
nur aber auch fehlen bruchstücke von
gestern von heute eben erst wollte ich
und weiss jetzt nicht mehr was es war
oder wörter verschwinden und daten
das scheinbar nebensächlichste bleibt
der geruch der seife als ich kind war
ein trauriger maikäfer im glas diese
augen und was darin fehlte das leben
oberhalb der nebelgrenze undsoweiter

marianne rieter
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09.12.2012

04.12.2012

schade. sehr schade

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wie der regen fällt und versinkt
wie auch das licht
fällt und versinkt.

sehr schade.

und die strasse macht einen knick
dass du entschwindest
fällst und versinkst
wie ein gestern gehörtes
unbegriffenes wort.


elisabeth borchers
[aus: von der grammatik des heutigen tages, gedichte - suhrkamp]

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03.12.2012

wie oft-oft ...

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wie oft-oft
sein ich gesessen vorn vom
weissen papieren und nicht
gefüllen sich haben mit lettern und wörtern den
weissen papieren sondern
weissen geblieben es sein


ernst jandl
[gefunden in: text+kritik, zeitschrift für literatur, heft 129, januar 1996]

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27.11.2012

herbst.

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als das kind kind war, wusste es nicht, dass es kind war.
- peter handke



ich mache die tage fest an bildern. blieben sie mir,
hielte ich diesen herbst nicht in der hand. eine zeit
wie keine andere.

ins licht getaucht blendet sie mich zurück zum vater,
der nur töchter hatte, zur mutter & ihren begleitern.
am himmel franst die sonne aus.

quer über den see gezeichnet die schatten der bäume,
ein paar möwen, in den zweigen letztes laub.
meine wörter sind müde.

ein seidener faden die stille, das herz undsoweiter.

marianne rieter
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24.11.2012

hell stehen die worte ...

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artwork & fotografie: christiane bäcker
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hell stehen die worte
sterne auf dunklem papier.
hundert stimmen hat die not
und keinen namen.
ich und der wind wir teilen
uns eine sprache.
es gibt keine freiheit
ohne die suche danach.
mein leben, das jeden morgen
näher dem abend zurückt.
ich will nicht aus dieser haut,
auf der die zeit sich schuppt.
schon wird der schatten dünner,
und die kraft der augen wächst.


dirk rose
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20.11.2012

es geschehen dinge ...

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es geschehen dinge, die sind wie fragen.
sekunden vergehen oder jahre, und das leben antwortet.

alessandro baricco
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15.11.2012

schnipsel #155

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foto: marianne rieter



schwedenbitter, bürstenschnitte & handmade tagliatelle :::: eine lyrische lesung mit heimischem klingelton *-) :::: wassergräber, kleine männer in leuchtfarben und die zärtlichkeit eines baggerführers beim glätten der hügel in der landschaft :::: schöne drinks & schöne jungs oder zwei rechts, zwei links und vieleviele bunte smarties :::: kühe im wasser, nebel am see und verschiedene geschwindigkeiten beim gehen :::: abwegige umwege und no more waiting 4 my 5 :::: als das kind noch kind war & immer wieder der himmel über berlin :::: von kleidergrössen und optischen täuschungen resp. wishfull thinking :::: the poledancer im schlafzimmer, ein baldachin mit dübeln & seitliche ausfallschritte mit hüftschwung und typischer handbewegung :::: über die „spektakulären momente des schreibens“ oder dunkle flüsse und paralleluniversen bzw. gedankliche eskapaden einer unvermuteten wanderschaft :::: die putzfrau und ich resp. mutationen der frustierenden art oder diverse suboptimümmer als dauer- zustand :::: in-a-gadda-da-vida, baby!!!
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12.11.2012

lied vom kindsein

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foto: marianne rieter




als das kind kind war,
ging es mit hängenden armen,
wollte der bach sei ein fluss,
der fluss sei ein strom,
und diese pfütze das meer.

als das kind kind war,
wusste es nicht, dass es kind war,
alles war ihm beseelt,
und alle seelen waren eins.

als das kind kind war,
hatte es von nichts eine meinung,
hatte keine gewohnheit,
sass oft im schneidersitz,
lief aus dem stand,
hatte einen wirbel im haar
und machte kein gesicht beim fotografieren.

als das kind kind war,
war es die zeit der folgenden fragen:
warum bin ich ich und warum nicht du?
warum bin ich hier und warum nicht dort?
wann begann die zeit und wo endet der raum?
ist das leben unter der sonne nicht bloss ein traum?
ist was ich sehe und höre und rieche
nicht bloss der schein einer welt vor der welt?
gibt es tatsächlich das böse und leute,
die wirklich die bösen sind?
wie kann es sein, dass ich, der ich bin,
bevor ich wurde, nicht war,
und dass einmal ich, der ich bin,
nicht mehr der ich bin, sein werde?

als das kind kind war,
würgte es am spinat, an den erbsen, am milchreis,
und am gedünsteten blumenkohl.
und isst jetzt das alles und nicht nur zur not.

als das kind kind war,
erwachte es einmal in einem fremden bett
und jetzt immer wieder,
erschienen ihm viele menschen schön
und jetzt nur noch im glücksfall,
stellte es sich klar ein paradies vor
und kann es jetzt höchstens ahnen,
konnte es sich nichts nicht denken
und schaudert heute davor.

als das kind kind war,
spielte es mit begeisterung
und jetzt, so ganz bei der sache wie damals, nur noch,
wenn diese sache seine arbeit ist.

als das kind kind war,
genügten ihm als nahrung apfel, brot,
und so ist es immer noch.

als das kind kind war,
fielen ihm die beeren wie nur beeren in die hand
und jetzt immer noch,
machten ihm die frischen walnüsse eine rauhe zunge
und jetzt immer noch,
hatte es auf jedem berg
die sehnsucht nach dem immer höheren berg,
und in jeder stadt
die sehnsucht nach der noch grösseren stadt,
und das ist immer noch so,
griff im wipfel eines baums nach dem kirschen in einem hochgefühl
wie auch heute noch,
eine scheu vor jedem fremden
und hat sie immer noch,
wartete es auf den ersten schnee,
und wartet so immer noch.

als das kind kind war,
warf es einen stock als lanze gegen den baum,
und sie zittert da heute noch.


peter handke
aus "der himmel über berlin" - gesprochen und gesungen von bruno ganz (klicken für youtube link)
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05.11.2012

die fische.

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foto: marianne rieter




wer den himmel im wasser sieht,
sieht die fische auf den bäumen.

aus china
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03.11.2012

war der tisch, war der stuhl

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war der tisch, war der stuhl, sass ein kind
in der küche und ass, war es still auf dem flur,
ging niemand herum und zählte die eigenen
schritte, das fensterkreuz weisser als sonst
gegen abend, durchschnitten den hof kleine
tiere im flug und der staub lag am glas und
ein kind war sehr still und etwas, das einfiel
im schlag, das heiss war im grund und sich
dunkelte, aufschlug, ein kind riss die augen
weit auf und konnte, es konnte nichts finden.

ulrike almut sandig
[aus: streumen - connewitzer verlagsbuchhandlung, leipzig]
gefunden bei lyrikline
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31.10.2012

im nebel ...

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foto: marianne rieter


im nebel ruhet noch die welt;
noch träumen wald und wiesen ...

eduard mörike
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28.10.2012

erwartung

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dieser wind,
er hat dich geliebt,
dieser regen,
ein leises streicheln,

kein gross' wort,
aber fragen reihenweis'.
zeit ist's, die kleider in den arm zu nehmen,
sich auszuziehen, zuerst die haut, das wort,

du siehst mich an, voll erde deine augen.

annukka peura
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25.10.2012

ein blatt

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fiel mir ein
herbstgoldenes blatt zu
ich fühlte mich beschenkt

so aber reisst
nur der wind an mir
und treibt mich nicht zu einem ziel

fiel mir deine seele ins herz
wüsste ich wo
ich bin

gabriele nutz
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24.10.2012

there is no end ...

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there is no end. there is no beginning.
there is only the passion of life.

federico fellini
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20.10.2012

platz in wilmersdorf

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ich setze mich unter den baum.
privatbesitz: eine hundertschaft
drosseln hat ihn erobert. ich rücke
den drahtstuhl neben den brunnen, studiere
das wasser, es zittert wie seidenpapier.
ich schliesse die augen, lausche.
mein atem geht hoffnungslos schnell.


hans-ulrich treichel
[aus: südraum leipzig, gedichte - suhrkamp]

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17.10.2012

das licht ...

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das licht das uns sticht
ist ein immer feinerer faden.

giuseppe ungaretti
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in diesem augenblick ...

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seine ganze zärtliche liebe zum leben durchzitterte ihn in diesem augenblick und die tiefe sehnsucht nach seinem verlorenen glück. aber dann blickte er um sich in die schweigende, unendlich gleichgültige ruhe der natur, sah, wie der fluss in der sonne seines weges zog, wie das gras sich zitternd bewegte und die blumen dastanden, wo sie erblüht waren, um dann zu verwelken und zu verwehen, sah, wie alles, alles mit dieser stummen ergebenheit dem dasein sich beugte, - und es überkam ihn auf einmal die empfindung von freundschaft und einverständnis mit der notwendigkeit, die eine art von überlegenheit über alles schicksal zu geben vermag.


thomas mann
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14.10.2012

von wegen nachruhm ...

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heute fische ich im trüben, lasse
zwei mal zwei gleich fünf sein und
denke mir ein neues leben aus
das alte ist zu eng geworden
auch tut es gut sich hin und wieder
zu verändern. bin deshalb fest dazu
entschlossen in zukunft öfters
sinnlose gedichte zu verfertigen
in kleinschrift selbstverständlich
von wegen nachruhm und
moderner lyrik ...


gerhard rombach
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wie heimat.

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wo befreundete wege zusammenlaufen,
da sieht die ganze welt für eine stunde wie heimat aus.


hermann hesse
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13.10.2012

berlin.


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foto: marianne rieter




der morgen ist ein besudeltes kleid
eine seite mit einem eselsohr
ein klecks

die stadt
eine halb abgeschminkte frau

doch zuckend bäumt sie sich in den himmel
wie ein blaues pferd von marc im luftgeschirr

berlin

die sonne gelb


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07.10.2012

kreidestriche.

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auch in der "wirklichkeit" ziehe ich es vor zu fallen.
- andré breton



eine diesige mischung weich umrissener
klarheiten. der dualität enthoben sind
scheinbar nur die leichtfüssigen jahrgänge.

in seiner eigenen geschichte bevorzugt
der fisch das fünfte element:

schaffe ich möglichkeiten statt fixe
definitionen verlässt meine brut
ohne weiteres das aufgeräumte nest.


marianne rieter
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06.10.2012

relativ schweigsam ...

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foto: marianne rieter



relativ schweigsam
kommen die kühe
sie muhen leise
es ist neblig und fast nacht
wir sasen drausen
assen und tranken
vieleicht lokte sie das an
oder unser lachen
sie schauten uns treudof an
schüttelten die köpfe
und verabschieden sich
relativ schweigsam


bill offermann
[aus: im falle eines falles (vom ross) - gedichte - orte-verlag]
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03.10.2012

gleichnis vom schreiben

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nicht immer fällt zauber
von der stirne aufs blatt und
immer ist nur eines da die
blösse zu bedecken: grün
oder weiss

aber man kann schiffe
falten und sie durch die luft
segeln lassen beladen mit efeu
und rosenbäumen und
bei auffrischendem wind
fahren die schiffe ein
im garten des blinden gärtners
und er legt hellblühende
reihen an und seine hand
geht von blatt zu blatt


brigitte fuchs
[aus: suchbild mit garten - kukuruz]
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01.10.2012

30.09.2012

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die dinge, die wir sehen, sind dieselben dinge, die in uns sind. es gibt keine wirklichkeit als die, die wir in uns haben. darum leben die meisten menschen so unwirklich, weil sie die bilder ausserhalb für das wirkliche halten und ihre eigene welt in sich gar nicht zu worte kommen lassen. man kann glücklich dabei sein. aber wenn man einmal das andere weiss, dann hat man die wahl nicht mehr, den weg der meisten zu gehen.


hermann hesse
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29.09.2012

der inhalt.

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foto: marianne rieter



der inhalt unserer kunst liegt primär in dem, was unsere augen denken.

hugo ball

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26.09.2012

der tag kommt

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der tag kommt, an dem ich alles liegen lasse und gehe.
im geruch der aus dem meer gezogenen netze,
von einer insel zur andern
immer den wetterhähnen nach.

es gibt welten, ihr könnt sie euch nicht vorstellen.
die blumen blühen lärmend,
lärmend steigt der dunst von den feldern auf.

und die möwen, die möwen,
auf jeder feder eine andere hast.

der tag kommt bis zum kopf blau,
der tag kommt bis zum kopf sonne,
der tag kommt wie verrückt...


orhan veli kanık
gefunden bei fixpoetry
.

25.09.2012

lob des abwesenden

.
nur abwesendes
       lässt sich beschwören

nur das ferne meer
       rauscht in der muschel

das ausgesprochene wort
ist schnee von gestern
doch das
abwesende
wohnt im
innersten patio der zukunft
unter verschwiegenen
blattzungen


eveline hasler
[aus: sätzlinge, gedichte - nagel & kimche]

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23.09.2012

meene oogen und fritze

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mit die oogen wollt ick ma profilieren
weil de oogen, hatta jesacht
det isset, wat ihm jefällt
det hatta jesacht & jelacht
& jelacht
hab icke
hab ma schöner jefühlt
weil weest ja, meene oogen
hab ick jedacht
und ooch jelacht &
uff eenmal
da hab ick uffs display jekieckt
hab'm strich druff jesehen
[det war wenijer schön]
janz pink, janz dolle
hat sich det ding in meen leben jeschoben
na kiek ma, hab ick plötzlich jesacht:
hab doch wat mit die oogen
& det schwein hat sich eilig vom acker jemacht
hatt ma mit die grosse liebe betrogen
und meene oogen?
die hab ick zujemacht
hab ma nich jetraut zu kiecken
im herbste dann hab ick se wieder uffjemacht
hab jeschrien, jeweint und jepoltert bis nacht
und jezze?
wat seh'n de schönen oogen
bei mir uff'm arm
der pinke strich
heisst fritze

claudia kohlus
[aus: blumenmob – fixpoetry verlag]
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22.09.2012

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foto & artwork: christiane bäcker



da angelt kein mensch
einen schellfisch
vor lauter küste!
verschiedene dampfer
fahren vorbei, beliebig
als wäre überall wasser,
das bis auf den grund
nass ist. die oberfläche
bleibt schiffbar und blau,
eine postkarte lang,
die man von bord schreibt.
gefühl für die nautik
hat niemand, solange
er nicht an land steht
und winkt.


karl krolow .
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20.09.2012

notwendigkeiten.

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und alles
hat mit allem zu tun
- eva cader-benedix



kopfgeburten brandherde winterlinge.
spiegelscherben kugelfische ebenen.
hintertüren offene berührungspunkte.

weiches licht. blasse rosen. katzengold.
die maserung der haut. losungsworte.
sämtliche variationen von blau.

flussläufe leichtsinnige zeilenbrüche.
taschenspielertricks. herzfülle.
der himmel unter den füssen.


marianne rieter
gedicht des tages bei fixpoetry am 20.09.2012
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16.09.2012

wie ein vogel ...

.
seine stimme war wie
ein vogel, der nur im flug
den sand berührt, voll begier,
der rast ein ende zu setzen
und mit den lüften zu gehen.


martin buber
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10.09.2012

aus dem tagebuch eines unbekannten poeten - dienstag

.
ich bin voller schubladen. in jeder eine tante oder ein cousin. eine nachbarin mit blumentopf, darin ein kreischender krokus. besser lebte ich auf schienen und fremde führen über mich hinweg.
sie tragen schöne abzeichen mit spechten und wassermühlen. wie maschen einer gewendeten strickjacke schauen sie mich an. wären sie aus glas müsste ich jeden abend ihre scherben einsammeln.
unmerklich. unhörbar. so zerspringen sie den ganzen tag lang in mir.
wahrscheinlich liebe ich sie. woher kann ich das wissen. ich fürchte mich -- sie atmen in mein haar. sie sprechen.
ich versuche nicht, es zu hören. ich schreibe:

manchmal denke ich: sie stören
sie sind zu nah -- wie fäden von kleidung
sie zögern nicht, an die seienden zu erinnern: dann
gehen wir hinaus auf die strassen und in die parks

meine menschen, mit denen mir zu leben
bestimmt ist -- sie nehmen mich wie
schlüssel vom tisch: mit mir schliessen sie
sich ein doch auf dem türrahmen

ist nur ihre körpergrösse: ihre! von mir
ist hier alles allerorten verborgen und
nichts öffentlich (ausser strassen und parks)

manchmal denke ich: ich störe sie -- sie offenbarten
mir alles ich halte selbst sie im verborgenen
sie sind meine schätze ich bin ihr einziger pirat


kęstutis navakas
aus dem litauischen von claudia sinnig – gefunden bei lyrikline
.

08.09.2012

lange seufzer.

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foto: marianne rieter



lange seufzer
von den geigen
des herbstes
stechen ins herz.


paul verlaine
gefunden bei wildgans

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07.09.2012

fügungen

.
es heisst
ein dichter
ist einer
der worte
zusammenfügt

das stimmt nicht

ein dichter
ist einer
den worte
noch halbwegs
zusammenfügen

wenn er glück hat

wenn er unglück hat
reissen die worte
ihn auseinander


erich fried
.

04.09.2012

la musica sei tu

.
schläge
die mein herz imitieren
auskleiden

stimmen
wie ich eine eigene
nie hörte

trance suchen
wild und sanft
alles, was mich lindern kann

in jener mörderischen
vitalität
die sich nennt: leben


eva cader-benedix
.

02.09.2012

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i am not sick. i am broken. but i am happy to be alive as long as i can paint.


frida kahlo

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01.09.2012

wie regen.

.
foto & artwork: christiane bäcker
 
 
 
deine silhouette
im dämmerlicht
und rosa
geränderte wolken
am himmel
eine melodie
wie regen
tropfen töne
mir ins blut
du spielst
behutsam
flutest mich leise


marianne rieter
.

30.08.2012

jetzt ist das grün

.
mein liebster
diesseitiger
engel

bald werde ich
fliegen
bald ist der fisch
mein schatten


doris runge
[aus: du also, gedichte - dva]
.

26.08.2012

spiegel des traums

.
dies ist mein traum -
nimm ihn
nähe ihn und trage ihn
als kleid.

du machtest, dass das gestern
in meinen armen schläft
dass es mich umkreist
und sich im sonnenwagen
wie ein rauschen dreht
in der möwe, die davonfliegt
als flöge sie aus meinen augen.


adonis
[aus: ein grab für new york, gedichte 1965-1971 - ammann verlag]
.

timoroso

  
la tema
ei
ina siarp
che reiva
dallas combas si
e sestartuglia
entuorn il venter
e siara il cor
die angst
ist
eine schlange -
schlängelt die
beine hoch
gürtet
den bauch
versiegelt das herz

arnold spescha
[aus: sbrinzlas funken scintille, gegenwartslyrik aus graubünden -
pro lyrica, schweizerische lyrische gesellschaft, mevina puorger
]

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25.08.2012

maybe.

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the path to our destination is not always a straight one. we go down the wrong road, we get lost, we turn back. maybe it doesn't matter which road we embark on. maybe what matters is that we embark.

barbara hall
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22.08.2012

halt mich

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foto & artwork: christiane bäcker




nehm' träume für bare münze
schwelge in fantasien
hab' mich in dir gefangen
weiss nicht wie mir geschieht

wärm' mich an deiner stimme
leg' mich zur ruhe in deinen arm
halt mich - nur ein bisschen
bis ich schlafen kann

fühl' mich bei dir geborgen
setz' mein herz auf dich
will jeden moment geniessen
dauer ewiglich

bei dir ist gut anlehnen
glück im überfluss
dir willenlos ergeben
find' ich bei dir trost


herbert grönemeyer
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21.08.2012

19.08.2012

inmitten eines gartens ...

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foto: marianne rieter

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inmitten eines gartens wuchs ein rosenstrauch, der war ganz voller rosen, und in einer davon, der schönsten von allen, wohnte ein elf; er war so winzig klein, dass kein menschliches auge ihn sehen konnte, hinter jedem blatt in der rose hatte er eine schlafkammer. er war so wohlgestalt und hübsch, wie ein kind nur sein konnte, und hatte flügel an den schultern, hinab bis zu den füssen. oh, es war ein duft in seinen zimmern, und wie hell und schön waren die wände! sie waren ja die feinen hellrosa rosenblätter.

hans christian andersen
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tendenzen gegen das vielleicht.

sebastian baumer
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18.08.2012

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die einzige gewissheit.

dass alles endet.
dass alles endet.

mit einem semikolon

lieber ich im käfig.
als der käfig in mir;


lauri otonkoski
[übersetzt von stefan moster – gefunden bei lyrikline]
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16.08.2012

tunnel

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foto: marianne rieter




dem andenken virginia woolfs

zu dritt
zu viert
ungezählte, einzeln

allein
gehen wir diesen tunnel entlang
zur tag- und nachtgleiche

drei oder vier von uns
sagen die worte
dies wort:

"fürchte dich nicht"
es blüht
hinter uns her.


hilde domin
[aus: hier - s. fischer]

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13.08.2012

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ich werde die fische vom land wieder ins wasser treiben
ich werde den bienen ihr geheimnis ablauschen
ich will der sonne unterwegs rätsel aufgeben
die berge müssen endlich in ruhe schlafen können
und die schmetterlinge zwischenfallsloser reisen
ich werde die meere kitzeln bis sie sich schütteln vor lachen
mit alten taschenlampen glühwürmchen verführen und die wälder erschrecken
ich werde die wale aus dem konzept bringen wenn sie singen
werde das eis befragen ob es noch weiss wie es war als wasser
ich will eine wärmere farbe für alles was wächst
die antilopen sollen besser auf ihre ernährung achten
und die frösche endlich laufen lernen
ich will die erde wieder flach und die menschen vergesslich
einfach anders als die steine
die merken sich alles


andreas münzner
[aus: die ordnung des schnees, gedichte - zu klampen]

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12.08.2012

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crescendo al niente.

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„der anblick der blumen nimmt wunden.“


heiter sei der grund unter den blüten,
den freundlichen fischen, dem licht -
weiche, leise harmonien, akkorde,
bewegungen der hände.

und wirklich sei das leuchten.
jetzt. hier. der bläuliche duft,
die tieferen wasser, die bleibende zeit.
der wind. die welle. ein einzelner stein.

marianne rieter
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09.08.2012

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ja, man muss seinen traum finden, dann wird der weg leicht. aber es gibt keinen immerwährenden traum, jeden löst ein neuer ab, und keinen darf man festhalten wollen.

hermann hesse
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08.08.2012

die flügel

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nicht mehr aushalten müssen
die spannung ins unabsehbare,
die flügel kann man jetzt brauchen
zur bergung jener, die fliegen
durch die welt, um die eigene mitte,
zu erreichen einzig im sturz.


erika burkart
[aus: die zärtlichkeit der schatten, gedichte - ammann]

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07.08.2012

schnipsel #154

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foto: marianne rieter




von schnittmengen, megaherzen und einem haus am fluss resp. perlen, wörter und eine hohe zeit con amore :::: eine feilenfabrik, ein geburtstag mit hesse im garten und adiletten im labyrinth :::: a room with a view resp. muppet show und balkon- geflüster bzw. lieber dancing in the dark als lost in space :::: eine apothekerin mit schöner stimme, ein ambulanzfahrer mit poetischer ader und zwei hilfsbereite carabinieri :::: der freundliche nutella-crèpes mann, la madonna auf dem dach und immer wieder waiting for her man :::: von betrunkenen zwillingen am pool, schwitzenden vögeln auf der balustrade und der gepflegten alten dame mit begleitung :::: 3 deutschländerinnen + 1 hotelrechnung = *grrrmpffff!!* :::: blühende oleanderbüsche und panini mit tadammm, tadammm! :::: eine pola für die zauberin in berlin *-) :::: oh sole mio :::: hey!! :-)

ps: 7 monate später der see

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06.08.2012

im grünen ...

.
frauen- und vogelköpfe
im laub, das aussieht wie laub
der aquarellmaler.

hier kann man sitzen
und langsam mit der luft sprechen.
grün: bis unter die herzen,
unter den kinderhimmel,
in dem jeder verdacht
zur wolke wird.

es macht kopfweh, weil es
noch bei geschlossenen augen
grün bleibt.

aber man kann auch darüber lachen
und sich ein blaues fahrrad ausdenken,
mit dem man den horizont entlang
fährt.

karl krolow
gefunden bei artisanne
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05.08.2012

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foto: marianne rieter



je ferme les yeux afin de mieux voir.

paul gauguin

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eine welt

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in der jeder jeder ist -
klingt das nicht vertraut?
könnte das nicht von jedem sein?


nicolas born
[aus: das auge des entdeckers - wallstein verlag]
gefunden bei lyrikline
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04.08.2012

inmitten.

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foto: christiane bäcker



hinter den zaunaltären
an der herzwand
inmitten der sprachlosen blüten
hast du dich angesiedelt
und bist geblieben


hermann josef schmitz
.

02.08.2012

und vor sich, den sommer.

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nicht nur die morgen alle des sommers -, nicht nur
wie sie sich wandeln in tag und strahlen vor anfang.
nicht nur die tage, die zart sind um blumen, und oben,
um die gestalteten bäume, stark und gewaltig.
nicht nur die andacht dieser entfalteten kräfte,
nicht nur die wege, nicht nur die wiesen im abend,
nicht nur, nach spätem gewitter, das atmende klarsein,
nicht nur der nahende schlaf und ein ahnen, abends...
sondern die nächte! sondern die hohen, des sommers,
nächte, sondern die sterne, die sterne der erde.


rainer maria rilke
[aus: die siebente duineser elegie]
.

01.08.2012

chaos

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chaos ist die ordnung, die wir nicht verstehen.

konstantin wecker
.

gefühl

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foto: marianne rieter



in unserem lande
komme ich mir manchmal vor
als sei schon lange
ein alarm im gange
und alle meinen
man läute bloss
den sonntag ein.


franz hohler
[aus: vierzig vorbei, gedichte - luchterhand]
.

30.07.2012

es gibt stunden ...

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es gibt stunden im leben, wo wir gar nicht begreifen können, warum wir so guter dinge sind. munterkeiten stellen sich weder auf befehl noch auf wunsch ein: sie sind plötzlich da, können aber ebenso eigensinnig, wie sie herbeizufliegen kamen, wieder verschwunden sein.

robert walser
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29.07.2012

wind

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das leben
aus den angeln
seiner wenn und aber heben und
den wind erwarten

die welt
hängt an der angel
eines einzigen
wortes


eveline hasler
[aus: sätzlinge, gedichte - nagel & kimche]
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moments.

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foto: marianne rieter


we do not remember days, we remember moments.

cesare pavese
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26.07.2012

sommertag

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von burg zu burg
der flug des falken.
von blatt zu blatt
das flimmern eines falters.
erleuchtet ruhn die frommen schafe.
in eichendorffscher sprache spricht der bach.
das korn hat gegenwart
und zukunft hat das gras.
flüchtig ist die heerschar weisser wolken.
und hoch, viel höher noch
ein stück von salomonis blauer seide.


elisabeth borchers
[aus: alles redet, schweigt und ruft, gedichte - suhrkamp]
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25.07.2012

die gerade linie.

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die gerade linie ist eine vom menschen gemachte gefahr. es gibt so viele linien, aber nur eine von ihnen ist tödlich, und das ist die gerade linie, die mit dem lineal gezogen ist. die gefahr durch die gerade linie lässt sich nicht mit der gefahr durch organische linien vergleichen, die zum beispiel schlangen machen. die gerade linie ist dem menschen, dem leben, der gesamten schöpfung wesensfremd.

friedensreich regentag kunterbunt hundertwasser
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01.07.2012

pause.

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milongas blog macht pause bis ende monat.
geniesst den sommer und lasst es euch gut gehen!

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29.06.2012

ich sitze nur grausam da.

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die sprache ist ein grosser überfluss.
- friedrich hölderlin



kann sein die dunklen augen, der amsel
vogelblick, wo handzettel, staubschichten,
vergilbtes papier: behütete blüten.  kann
sein und mich an wörtern blutig schreiben
 – trächtig lauerndes erinnern, zerrinnen
zwischen pillen, salben, filzpantoffeln.

kann sein auf dem küchentisch am fenster
eine stimme, ein geruch, eine tröstung.
schlurft durchs zimmer, unter die tasse,
unter die haut. verblasstes geranien
blättchen, pelargonienhäutchen, sanfteste
zumutung einer abwesenheit. kann sein.

ich, mein herr, bin nicht mehr
von demselben namen.


marianne rieter

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28.06.2012

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die paradoxie gehört sonderbarerweise zum höchsten geistigen gut;
die eindeutigkeit aber ist ein zeichen der schwäche.


c.g. jung

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stille...stille...stille

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ich bin keine schriftstellerin und noch weniger eine dichterin. ich bin ein feigling, der sich hinter der poesie versteckt. ich benutze sie, um mich auszudrücken, um meine geheimnisse zu offenbahren, ohne mich dabei bloss zu stellen. um umschweife zu machen. um vage und dehnbar zu sein. um meine wahrheit hinter einer maske zu sagen. um dann, wenn du meine geheimnisse entdeckst, sagen zu können: “neee, es war nur ein gedicht” sie erlaubt mir, mit einschlägigen reimen, mehrdeutig zu sein. sie versöhnt meine gegensätze. keine ahnung, was ich ohne sie machen würde.


cristina sahuquillo
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26.06.2012

aufatmen

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ein paar schritte zwischen haus und haus,
bevor der abend in die strasse fällt.

die bilder werden langsam.
durch die luft
geht ein erträgliches rot.

keine glocke läutet
für die fliegerstaffel der stare.
die letzte runde der hundebesitzer.
das bisschen tag,
das noch in zäunen hängt.

der trugschluss
eines geschlossenen tors,
vor dem das licht bloss
schatten findet.

und hinter den fenstern: flimmern.
blaue leitsterne,
braune kommoden.

wir kehren zurück
vor nachrichteneinbruch.


lydia daher
[aus: insgesamt so, diese welt - voland&quist – gefunden bei fixpoetry]

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25.06.2012

blumen ins herz.

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lautere worte
der zeit entflochten

als säte einer
blumen ins herz

wäre grün
nicht vergänglich

traute ich
mir


marianne rieter
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24.06.2012

stiller vormittag

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es war ein solcher vormittag,
wo man die fische singen hörte;
kein lüftchen lief, kein stimmchen störte,
kein wellchen wölbte sich zum schlag.

nur sie, die fische, brachen leis
der weit und breiten stille siegel
und sangen millionenweis
dicht unter dem durchsonnten spiegel.


christian morgenstern
gefunden bei quersatzein
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23.06.2012

sprich ...

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foto: marianne rieter




sprich mit den händen
so hell du kannst
ich höre mich, reglos
dir zu.


andreas neeser
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20.06.2012

in die dämmerung

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ich will nicht aufhören
in die dämmerung hinein
zu schreiben

zeilen die zerfallen
und zeilen die hängenbleiben
eine kleine weile

an einzelnen blättern
in einzelnen büchern
in einzelnen gedächtnissen

so hätte ich mich
gern wiedererlebt
nach den kommenden finsternissen


ernst jandl
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19.06.2012

die heiterkeit.

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was uns am unmittelbarsten beglückt, ist die heiterkeit des sinnes, denn diese gute eigenschaft belohnt sich augenblicklich selbst. wer fröhlich ist, hat allemal ursach', es zu sein: nämlich eben diese, dass er es ist. nichts kann so sehr wie diese eigenschaft jedes andere gut vollkommen ersetzen, während sie selbst durch nichts zu ersetzen ist.


arthur schopenhauer
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18.06.2012

17.06.2012

eine katze ...


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eine katze sitzt, bis es ihr langweilig wird.
dann steht sie auf und geht weg.


alan watts

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16.06.2012

beim überfliegen einer kleinen rosa wolke

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etliche himmel
vielerlei licht
holde patrouillen
dann und wann
eines der grossen gesetze
ein träumender mensch
und eine von grossvaters goldenen bienen


elisabeth borchers
[aus: von der grammatik des heutigen tages, gedichte - suhrkamp]
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15.06.2012

du fragst, warum ...

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du fragst, warum ich schweige.
ich möchte nicht
dieses mögliche stören –
zu hören,
was dort, hinter den augen,
hinter dem himmel ist deines blicks.
spreche ich –
dann höre ich nicht,
was der vogel der zeit
prophezeit.


nina mazjasch
[aus dem belarussischen von elke erb]
gefunden bei lyrikline
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12.06.2012

ahoi!

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bin immer auf see
und lande nicht mehr.
- else lasker-schüler


die luft besticht mit klarheit -
türme tanzen auch bäume und
ich eine bleiche ameise in der
zwanzigsten étage mit offenem
mund am fenster stehe und
staune mit diesem weitwinkel
blick der süchtig macht zu
hoffen zu bleiben bis flügel mir
wachsen ein federkleid licht
gesäumt mit roten rändern

fliegen gänse vorüber die frei
heit ist nicht so gross wie man
dachte und nie war eine nacht
kürzer als hinter dieser luft
klappe aus lochblech mit rotem
teppich unter den füssen sitzt
eine frau in einem garten auf
einem der dächer und überall
flüchten die schatten tatsächlich
spielen die jungs la paloma

dort an der elbe tauft eine welle
den fisch in der sonne lachen
kinder und andere menschen
haafenrrrundfaahrt  allerorts
schwingt man übermütig die
beine flattern tauben und ich
frage mich ob heimat nicht sehr
viel mehr mit kommen und gehen
zu tun hat als mit sesshaftigkeit
ein schiff ohne hafen ist

diese sehnsucht die mich trägt
wo immer ich bin auch hier
aber jetzt ist kaum zeit durch
zuatmen nachzudenken lieber
lasse ich mich treiben in den
bildern dieser herrlichen sinn
losigkeit und einer geschenkten
stunde voll taumelndem licht


marianne rieter
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11.06.2012

war himmel

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war himmel, war boden, wir beide darauf,
dazwischen flogen die vögel im schwarm,
hoben auf, was uns festhielt, und senkten
sich wieder, hielt einer den abstand zum
anderen ein und lenkte unsere augen auf
sich: wob jeder an maschen aus eigenen
federn, zog seinen teil eines netzes herauf,
zu schützen uns vorm fall in den himmel,
der dunkelgrau war, weit weg und so starr.


ulrike almut sandig
[aus: streumen – connewitzer verlangsbuchhandlung]
gefunden bei lyrikline
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09.06.2012

klcraalk

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iphone foto: marianne rieter


ich habe mir ein rätsel vorgestellt
als ich nach hause flog an die kühle
dachte in der wir froren und doch sitzen
blieben als sei dieser platz der einzige
in dieser stadt die so nebenbei
schön ist und sich nichts einbildet auf
ihren glanz. ungelöst ist es geblieben
das rätsel. die buchstaben liegen wirr
auf dem wasser und mischen sich zu
unaussprechlichem.

julietta fix
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30.05.2012

altbau unplugged

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unten im hof versammeln
sich nachrichtensprecher
tippen mit den fingern
einer streunenden katze
viertelstündig den takt

hinter gardinen stöhnen
körper im zitat nirgendwo
piratenkanal bloss plastik
gabeln für omas beutel:
sahne auf segeltüchern

wir hängen unsere flagge
in den kursiven moment
der verschwendet ist für
eine spätere verwendung
als kaffee oder hustensaft


max czollek
[poetryletter #225, illustriert von judith sombrayfixpoetry]
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28.05.2012

antworten ...

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habe geduld gegen alles ungelöste in deinem herzen und versuche, die fragen selbst lieb zu haben wie verschlossene stuben und wie bücher, die in einer sehr fremden sprache geschrieben sind. forsche jetzt nicht nach antworten, die dir nicht gegeben werden können, weil du sie nicht leben kannst und es handelt sich darum alles zu leben. lebe jetzt die fragen - vielleicht lebst du dann allmählich ohne es zu merken in die antwort hinein.

rainer maria rilke
[bei diesem wundervollen foto gefunden]

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der begrabene hafen

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dort kommt der dichter an
und wendet sich dann zum licht mit seinen gesängen
und er verstreut sie

von diesem gedicht
bleibt mir
jenes nichts
von unerschöpflichem geheimnis


giuseppe ungaretti
[aus: gedichte, italienisch und deutsch, in der übertragung von ingeborg bachmann - suhrkamp]

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26.05.2012

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es gibt einige erscheinungen stärksten gewichtes, wovon die überwiegende mehrzahl kaum notiz nimmt, weil es sich um allgemeinverständlichkeiten handelt ... im alltäglichen ruhen die wahrheiten.


robert walser

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24.05.2012

mein herz ...

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mein herz
schweift über die wiese der sterne
zwischen unzähligen sternen.
unter mir blüht es blauer und blauer.
zarte sterne schlagen ihre wurzeln in mich.
über mir blüht es blauer und blauer.


hans arp
[in: singendes blau, aus: worte mit und ohne anker - heyne lyrik]
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